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Eschelbronn

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Linde am Friedhofseingang (Naturdenkmal)Das Christentum setzte sich bei den Franken nach der Bekehrung ihres Königs Chlodwig langsam durch. Durch die Übernahme römischer Verwaltungsstrukturen verfügte die Kirche über ein gut funktionierendes Verwaltungssystem. 511 beschloss Chlodwig, dass der Kirche die Oberherrschaft über ihren umfangreichen Besitz zustehe. Die Kirche im fränkischen Reich versuchte auch ihren Einfluss auszudehnen. Mönche aus Irland und Angelsachsen bekehrten immer mehr Heiden und das Land wurde in Bistümer aufgeteilt. Klostergründungen fanden immer häufiger statt. Das Kloster Lorsch entstand 764. In seinem Urkundenbuch wird Eschelbronn 788/789 zum erstenmal erwähnt. Im 10. Jahrhundert entstanden auch in unserer Nähe Klöster. Im Jahre 1090 wurde das St. Stephans-Kloster auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gegründet und das Augustinerkloster auf dem Michelsberg bei Sinsheim. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es auch das Kloster Lobenfeld.

Im Jahre 1391 war Fridericus de Bucheym erster bekannter katholischer Pastor in Eschelbronn. 1496 erfährt man weiteres über die Kirchengemeinde aus dem Visitationsbericht der Diözese Worms. Es wird von einer katholischen Kirche aus Holz in den Kirchwiesen berichtet. Die Pfarrei gehörte dem Bistum Worms und dem Landkapital Waibstadt an. Die Kirche war eine Mutterkirche und keine Filialkirche. Die heilige Margaretha war die Patronin des Gotteshauses. Sie war die Beschützerin der Bauern, Jungfrauen, Ammen, Mädchen, Gebärenden und der unfruchtbaren Ehefrauen. An ihrem Patronstag, dem 20. Juli, begannen früher die Bauern mit der Einbringung der Ernte. Der Pfarrer wurde von fünf Kirchengemeinderäten (Heiligenpfleger) unterstützt. Die Seitenaltäre waren zur Rechten allen Heiligen und zur Linken dem heiligen Kreuz geweiht. Die jährlichen Abgaben mussten an den Bischof von Worms als Zeichen der Abhängigkeit bezahlt werden. Die Ortsherrschaft und den damit verbundenen Erblehenbrief vergab der Bischof von Speyer, da Eschelbronn zu seinem Besitz gehörte.


FriedhofseingangDer Thesenanschlag in Wittenberg am   31. Oktober 1517 von Martin Luther sollte die Kirchenentwicklung weiträumig ändern. Im April 1518 verteidigte Luther bei einer Versammlung der Augustinereremite n in Heidelberg seine Feststellungen. Dabei gewann er Anhänger wie Martin Buccer, den württembergischen Prediger Johannes Brenz und viele weitere, die den neuen Glauben auch in Süddeutschland stark verbreiteten. 1521 weigerte sich Luther seine Schriften auf dem Reichstag in Worms zu widerrufen und wurde mit der Reichsacht bestraft.  Aber dies konnte die lutherische Lehre nicht mehr stoppen. Im Kraichgau wechselten viele Adlige ihren Glauben. Der Adlige Ritter Wolf von Gemmingen gilt als derjenige, der als erster reformationsgesinnte Pfarrer in seinen Gemeinden duldete. Unter den Anhängern war auch der Eschelbronner Ortsherr Joachim von Seckendorff, er trat 1526 das Erbe seines Vaters an und lies die ganze Bevölkerung lutherisch taufen. Joachim zog sämtliche Kirchengüter an sich. Die Grundherrschaft durfte auch den Pfarrer bestimmen und die Baupflicht der Kirche lag bei ihr.  Die katholische Kirche war in der Zwischenzeit stark zerfallen und beschädigt. Die noch wenigen Katholiken am Ort wurden von den lutherischen Pfarrern mitversorgt. 1575 liesen die Ortsherren eine Kirche errichten. 1621 plünderten bayerische Truppen Eschelbronn. Weitere Verwüstungen folgten. Viele evangelische Pfarrer flohen aus der Pfalz und mussten notgedrungen ihre Gemeinden verlassen. Der Dührener „Wanderpfarrer“ M. Hans Georg Wolffhart lies sich nicht zurückschrecken und betreute geheim einige Ortschaften weiter, darunter auch Eschelbronn. Wolffhart war schon von 1634 - 1637 kurze Zeit Geistlicher in Eschelbronn.  Ab 1646 sind die ersten Eintragungen im Kirchenbuch von dem Hoffenheimer Pfarrer Johann Christoph Wild zu finden. Erster Pfarrer nach dem 30jährigen Krieg war Johann Peter Ursinus. Von Martini 1650 - 1653 war er in Eschelbronn als Geistlicher tätig. Er betreute auch die Kirchengemeinden von Neidenstein und Daisbach. Aber erst 1667 wurde wieder eine selbständige Pfarrei errichtet. Man nimmt an, dass Eschelbronn bis dahin von Dühren und Hoffenheim mitverwaltet wurde.

Ab 1699 existierte wieder eine selbständige katholische Kirchengemeinde. Mehrere katholische Gemeinden im Umkreis kamen damals zur Pfarrei in Spechbach und waren bis 1705 ihr unterstellt. Danach gehörte die Gemeinde zur Pfarrei in Zuzenhausen und blieb dort über
200 Jahre lang. Im Kirchenbuch von Zuzenhausen ist der erste katholische Eintrag für Eschelbronn im Jahr 1713 niedergeschrieben als Philipp Ohlhauser – Maria Margaretha Foler aus Epfenbach heiratete. Der lutherische Pfarrer Antonius Jacobus Henckel sollte hervorgehoben werden. Am 28. Februar 1692 wurde er in Eschelbronn von Pfarrer Wild aus Hoffenheim ordiniert. Er wechselte mehrmals seine Pfarrstellen und wanderte 1717 mit seiner Familie nach Amerika aus. Im 1721 gründete er die erste lutherische Gemeinde in Germantown, Pennsylvania. Im Juli 2013 erschien die erste deutschsprachige Biographie über Pfarrer Henckel im Programm des
Verlag Regionalkultur. Sein Nachfolger war Josua Harrsch (Kocherthal). Er wanderte ebenfalls nach Amerika aus (siehe Auswanderung).


Es siedelten sich auch Mennoniten aus der Schweiz in Eschelbronn an. Sie waren wegen ihres Glaubens aus der Heimat vertrieben worden und mussten jährlich 6 Gulden Schutzgeld bezahlen. 1717 werden der Hofbauer Hans Benedikt Mußelmann und Christian Bamberger als Mennoniten genannt. Mußelmann war wahrscheinlich Pächter des Schweizerhofs.


Kriegerdenkmal Am 07. Mai 1774 starb der lutherische Pfarrer M. Christian Friedrich Glock im Alter von 70 ½ Jahren. Er wurde in einer gemauerten Gruft beerdigt. Im Jahr 1800 wohnten 55 Reformierte in Eschelbronn. 1821 schlossen sich Lutheraner und Reformierte zu einer gemeinsamen evangelischen Landeskirche zusammen. 1807 wurde die baufällige evangelische Kirche abgerissen. Die Ortsherrschaft von Venningen weigerte sich ein neues Gotteshaus zu bezahlen. Die Gemeinde klagte dagegen und gewann diesen Rechtsstreit. Der Schwetzinger Baumeister Frommel entwarf die Pläne dazu. 1811-1813 stellte man die heutige evangelische Kirche im schlichten Weinbrenner Stil fertig. Die Jahreszahl des Baubeginns befindet sich über dem linken Seiteneingang. Es lässt sich auch nachweisen, dass der Schreinergeselle Gottlieb Grün aus Ludwigsburg am Bau mitgeholfen hat. 1875 wurde die Kirche durch Hagelschaden beschädigt und musste repariert werden. Weitere Erneuerungen folgten. Bei der Renovierung im Jahre 1906 setzte man das heutige
Eingangsgitter ein.

1937 kamen die Eschelbronner Katholiken zur Pfarrei Waibstadt. 1946 stieg  die Zahl der Katholiken durch die Heimatvertriebenen stark an. Die evangelische Kirchengemeinde stellte ihre Kirche für beide Gottesdienste zur Verfügung.


1958 wurde die katholische Kirche eingeweiht. Ihre Schutzpatrone sind wieder die „Heilige Margaretha“, der „Heilige Josef“ (Beschützer der Schreiner und Handwerker) und der selig gesprochene Bernhard von Baden. 1960 wurde die neuapostolische Kirche fertiggestellt. Ein Jahr später konnte man das Evangelische Gemeindehaus einweihen. Seit 1964 gibt es die heutige Leichenhalle auf dem Friedhof. Dort befinden sich auch die Kriegerdenkmäler zur Erinnerung an die Gefallenen. Dies ist eine Zusammenfassung der Kirchengeschichte von Eschelbronn und soll die Entwicklung der letzten Jahrhunderte wiederspiegeln.

Ausführlich mit der regionalen Kirchengeschichte befassen sich die Veröffentlichungen:

1.)
Jubiläumsschrift “200 Jahre evangelische Kirche Eschelbronn 1811-2011” Die Festschrift kann über das Pfarramt bezogen werden (Neidensteiner Straße 7, Eschelbronn):
http://www.kirche-eschelbronn-neidenstein.de/impressum.html


2.) Marius Golgath, Von der Kurpfalz nach Pennsylvania: Die bewegende Lebensgeschichte des Kirchenpioniers Antonius Jacobus Henckel (1668-1728), Ubstadt-Weiher 2013 (ISBN: 3897357852).

Das Buch kann über den Verlag Regionalkultur in Ubstadt-Weiher (
http://verlag-regionalkultur.de/) und über den Buchhandel erworben werden:

 3.) Marius Golgath / Norbert Jung, Neidensteiner Glocken- und Orgelklänge: Ein Beitrag zur ev. Kirchengeschichte und Aussegnungshalle, Eschelbronn / Heilbronn 2012 (ISBN: 978-3-934096-34-9) .

Dieses Buch kann über mich bezogen werden:
webmaster@eschelbronn-online.de




© Marius Golgath