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In Eschelbronn lebten im Laufe der über 1200-jährigen Geschichte einige bemerkswerte Persönlichkeiten. In dieser Rubrik werden drei Eschelbronner Persönlichkeiten vorgestellt:


Pfarrer Antonius Jacobus Henckel (1668-1728)

Antonius Jacobus Henckel (1668-1728) war 25 Jahre lutherischer Pfarrer in der Kurpfalz (Eschelbronn, Daudenzell, Mönchzell, Neckargemüd), bevor er 1717 nach Amerika auswanderte. Seine Lebensgeschichte gibt einen Einblick in die Situation eines lutherischen Geistlichen, dessen Tätigkeit von religiöser Benachteiligung, Konflikten mit den Ortsherren und der Armut geprägt war. Erst im Land der Freiheit, genauer in Pennsylvania, konnte er seinen Glauben frei entfalten. Dort gründete er die St. Michaels Lutheran Church in Germantown und betreute die Siedler im Großraum Philadelphia.

Anläßlich des 5. Deutsch-Pennsylvanischen Tages, der in Eschelbronn stattfand, wurde 2010 eine Gedenktafel an der evangelischen Kirche angebracht. Sie erinnert an das Wirken von Pfarrer Henckel. 

Die Lebensgeschichte von Antonius Jacobus Henckel finden Sie in meinem Buch: Marius Golgath, Von der Kurpfalz nach Pennsylvania: Die bewegende Lebensgeschichte des Kirchenpioniers Antonius Jacobus Henckel (1668-1728), Ubstadt-Weiher 2013 (ISBN: 3897357852). Das Buch kann über den Verlag Regionalkultur in Ubstadt-Weiher (http://verlag-regionalkultur.de/) und über den Buchhandel erworben werden:




Pfarrer Josua Harrsch (1669-1719)


Amerika war damals wie heute ein beliebtes Auswanderungsland und schon sehr früh zog es zahlreiche Pfälzer in die neue Welt. 1709 wanderte eine größere Gruppe von Kurpfälzern nach Nordamerika aus und einer von ihnen war Pfarrer Josua Harrsch. Er ist der erste bekannte Auswanderer unserer Gemeinde.

Harrsch oder besser bekannt unter dem Namen Josua Kocherthal, wurde 1669 im württembergischen Fachsenfeld bei Aalen geboren und war später mitverantwortlich für die massenhafte Auswanderung der Pfälzer. Er studierte in Jena Theologie und wurde 1696 von dem damaligen Ortsherrn Johann Anton von der Feltz zum Vikar der lutherischen Kirchengemeinde Eschelbronn berufen. Sein Examen holte er nach dem Amtsantritt nach. Außerdem versah er die Nachbargemeinden Mönchzell und Daisbach. Josua Harrsch lebte sich in Eschelbronn ein und vier Kinder kamen hier zur Welt. Aber im Jahre 1708 verlies Harrsch seine Kirchengemeinde in einer Nacht und Nebelaktion. Lange Zeit wusste niemand was aus Harrsch geworden ist und eine fehlende Seite im Kirchenbuch gab weitere Rätsel auf. Heute ist bekannt, dass er ein Jahr nach seinem Verschwinden in Nordamerika ankam und den Namen Kocherthal annahm. Aus den britischen Quellen geht hervor, dass Harrsch der Verfasser der berühmten Auswanderungsschrift „Carolina“ war. Darin wurde die britische Kolonie Amerika in den höchsten Tönen angepriesen und viele kurpfälzische Handwerker und Bauern folgten dem Lockruf. Die Briten brauchten tüchtige Leute, um ihre Kolonie urbar zu machen und den wirtschaftlichen Ertrag zu erhöhen. Außerdem legte Josua Harrsch 1709 das älteste
deutsch-amerikanische Kirchenbuch an und gründete mit mehreren pfälzischen Siedlern die heute noch existierende Stadt „Neuburg“ bzw. „Newburg“ im Bundesstaat New York. Es ist interessant, dass in seinen Aufzeichnungen keine ehemaligen Eschelbronner Gemeindemitglieder stehen. Er verstarb 1719 in New Town.

In den 1960er Jahren konnte durch die Neubearbeitung des badischen Pfarrerbuches  die Verbindung zwischen Kocherthal und Eschelbronn hergestellt werden. 2006 fand der 1. Deutsch-Pennsylvanische Tag im Auswanderermuseum in Oberalben bei Kusel statt. Bei dieser Veranstaltung wurde auch über das Wirken pfälzischer Auswanderer berichtet und der Referent von der Heimatstelle Pfalz erwähnte dabei auch Josua Harrsch.

Anläßlich des 5. Deutsch-Pennsylvanischen Tages, der in Eschelbronn stattfand, wurde 2010 eine Gedenktafel an der evangelischen Kirche angebracht. Sie erinnert an das Wirken von Pfarrer Harrsch alias Kochterthal. 

© Marius Golgath



Dekan Wilhem Frank (1818-1889)

Vom Eschelbronner Pfarrerssohn zum Dekan des Kirchenbezirks Sinsheim


Wilhelm Philipp Frank wurde am 13. Februar 1818 in Eschelbronn geboren und die Taufe erfolgte 5 Tage später. Seine Eltern waren Gottlieb Karl Frank und Dorothea Friederica geborene Glock. Er war der Jüngste von 6 Brüdern.
Mit 12 Jahren besuchte Wilhelm Frank das Lizeum in Karlsruhe, danach studierte er vom 31. Oktober 1836 bis 1840 an der Ruprecht Karl Universität in Heidelberg Theologie. Sein älterer Bruder Carl Friedrich war dort auch immatrikuliert und wurde ebenfalls Pfarrer.


Am 06. September 1840 wurde er ordiniert und unterstützte seinen Vater als Vikar von Eschelbronn, Neidenstein und Mönchzell. Ab 1841 versah Frank die Pfarrei Daisbach, 1845 wurde er Pfarrverweser in Eichtersheim. Im badischen Pfarrerbuch steht auch, dass Frank 1846 Pfarrverweser in Eschelbach war. Nach dem Tode seines Vaters 1849 übernahm er die Pfarrstelle in Eschelbronn, damals lebten 870 Menschen am Ort. Am 12. November 1850 heiratete er Maria Luisa Weng. Sie wurde am 21. Oktober 1831 in Stebbach geboren, als Tochter des Freiherrlich von Venningenschen Rentamtmeisters Karl Weng und der Luisa Weng geborene Raußmüller. Pfarrverweser Röther aus Eichtersheim führte die Trauung durch. Während seiner Amtszeit wurde am 18. August 1856 der evangelische Kindergarten (Kinderbewahranstalt) gegründet. Die Kinder der Bauern und Taglöhner waren dort untergebracht und erhielten eine christliche Betreuung. 1862 wechselte Frank nach Dühren.


Sein Großvater Wilhelm Christian Friedrich Frank hatte Dühren schon in den Jahren 1814 -1815 von Hoffenheim aus versehen. Das Dührener Pfarrhaus, in dem er mit seiner Familie lebte, wurde 1771 erbaut. Fünf seiner sechs Kinder wurden in Eschelbronn geboren. Der jüngste Sohn Wilhelm Ludwig kam am 28. Februar 1866 in Dühren zur Welt und starb schon im Alter von
5 Jahren und 10 Monaten. Wilhelm Frank brachte es in den folgenden Jahren zu hohem Ansehen. 1867 ernannte man ihn zum Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Sinsheim, außerdem war er Abgeordneter der Generalsynode und Bezirksrat. Dekan Frank interessierte sich für die Heimatgeschichte. 1878 verfasste er das Buch: „Kirchengeschichte der Diözese Sinsheim“. Auf 31 Seiten beschrieb er die geschichtliche Entwicklung des Kirchenbezirks und die kirchlichen Verhältnisse in den 20 Diözesengemeinden. Ein außergewöhnliches Ereignis während seiner Amtszeit war, dass am 27. September 1885 die Glocke aus dem Jahre 1705, beim Läuten zum Gottesdienst, zersprang. 1887 erhielt er durch Großherzog Friedrich I. von Baden das Ritterkreuz
1. Klasse des Zähringer Löwenordens. Sein 25-jähriges Antrittsjubiläum wurde am 01. Mai desselben Jahres gefeiert. Am Vorabend des Festtages sang der Gesangverein „Frohsinn“ ein Ständchen und Herr Hauptlehrer Bezel hielt eine Rede. Am Sonntag fand ein großer Festgottesdienst statt und am Ende dieses Tages sangen die Sänger des Gesangsvereins noch einmal für Pfarrer Frank. Vom Bürgermeisterstellvertreter Odenwald, vom Kirchengemeinderat und vom Vorstand des Gesangvereins wurde er mit seiner Familie zu einem Festbankett ins Gasthaus „Zum Engel“ eingeladen. Als Jubiläumsgeschenke erhielt Frank einen silbernen Becher und einen eisernen Blumentisch. Am 20. Mai 1887 fand eine Konferenz der Geistlichen der Diözese Sinsheim in der Gastwirtschaft „Post“ statt. Die anwesenden Pfarrer gratulierten Frank zu der Ritterkreuz-Ehrung und dem Amtsjubiläum. Sie dankten ihm für seine milde und gerechte Amtsführung und gaben ihm die besten Segenswünsche mit. Dekan Frank bedankte sich und lobte den Landesfürsten und treuen Beschützer der evangelischen Kirche Badens. Aus gesundheitlichen Gründen stellte man ihm am 15. November 1888 einen Vikar zur Seite.  Er erteilte aber noch den Konfirmandenunterricht und segnete die Konfirmanden an Ostern 1889 ein.


Grabstein in Sinsheim-DührenAm 13. November 1889 verstarb Dekan Frank 71-jährig in Dühren. Seine letzten Worte waren: „Nun fühl ich keine Schmerzen mehr, meine Leidenszeit ist nun vorbei mit Gott!“. Er wurde 2 Tage später auf dem Friedhof in Dühren beigesetzt. An der Trauerfeier nahm nicht nur die gesamte Gemeinde Dühren, sondern auch alle Pfarrer des Kirchenbezirks, die höhere Bürger- und Töchterschule Sinsheim, die Beamten und evangelischen Lehrer des  Bezirks, sowie der Gesangverein und die Kirchen- und Gemeinderäte teil. Dekan Frank wurde vor dem Altar der Kirche aufgebahrt und die Beerdigungspredigt wurde von Stadtpfarrer Schuhmann gehalten. Als Vertreter des Oberkirchenrates sprach Herr Prälat Dr. Doll. Danach trug man ihn zu Grabe und in der Regionalzeitung „Der Landbote“ wurde über die Beerdigung berichtet. Seine Ehefrau starb am 27. April 1904 in Sinsheim und fand neben ihrem Gatten ihre letzte Ruhe. Der Grabstein des Ehepaares Frank steht  heute hinter der Kirche, außer den  Lebensdaten steht unten auf dem Stein: Text Ps. 68. 20 u.21 - Die Liebe höret nimmer auf.   

Im Kirchenbuch von Dühren wird Wilhelm Frank als Mann mit weichem Gemüt, größter Bescheidenheit, sehr gewissenhaft, voller Arbeitslust, rechtschaffener Arbeiter Gottes und treuen Freund beschrieben. Dekan Frank hat in seinem Leben viel erreicht und hat Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen.

Meinen biographischen Aufsatz über Dekan Frank finden Sie in:
Heimatkalender “Unser Land” 2008, S. 119-121.

© Marius Golgath