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Eschelbronn

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Eschelbronn ist ein Schreinerdorf im Kraichgau. Früher wurde es als das "Mekka der Brautleute" bezeichnet. Dies war nicht immer so. Um 1800 gab es nur wenige Schreiner am Ort. Einer der ersten bekannten Schreiner war Andreas Wolff (1748 - 1802). Eschelbronn war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf und bot kaum Verdienstmöglichkeiten für mehrere Handwerker. Das Schreinerhandwerk wurde als Nebenerwerb zur Landwirtschaft ausgeübt. Die Bauern und Taglöhner verdienten sich mit der Leinenweberei noch etwas Geld dazu. 1860 gab es noch 35 Leinenweber am Ort, 1909 waren es nur noch zwei. In den folgenden Jahren wurde dieses Gewerbe immer unrentabler. 


Altes SchreinereischildAnfang der 1870er Jahre kehrte der Schreinersohn Georg Adam Kaiser von der Wanderschaft (Walz) zurück. Mit ihm kam Johannes Reimann aus Turbenthal im Kanton Thurgau/Schweiz. Er beherrschte die Kunst des "Furnierens" und trug dazu bei, dass Eschelbronn ein Schreinerdorf wurde. Durch die Technik des Furnierens konnte man wenig qualitatives Holz mit einer edleren Holzsorte versehen und preiswert interessante Möbelstücke herstellen. Durch dieses Verfahren bekam das Holz bei starken Temperaturunterschieden keine Risse. Zusätzliche Intarsienarbeiten brachten einen neuen Kundenkreis und immer mehr Leute interessierten sich dafür. Am 11. Juni 1874 heiratete Johannes Reimann die Schreinerstochter Anna Maria Geiger. Sie hatten 11 Kinder. Reimann verstarb am 06. September 1895 in Eschelbronn im Alter von nur 49 Jahren. Seine Ehefrau war schon drei Jahre zuvor verstorben. Einige von ihm gefertigte Stücke befinden sich heute noch in Privatbesitz. In den Anfangsjahren stellte man besonders Kleiderschränke (Chiffonnetts) her. 1882 wurden von Schreiner Adam Kaiser zwölf Lehrlinge ausgebildet. Viele davon wurden später selbständig und um 1900 gab es 14 Werkstätten am Ort. Jeder Tüchtige konnte es zu etwas bringen und davon gut leben. Die Älteste,  heute noch existierende Werkstätte, ist die Schreinerei Steiß, die seit über 120 Jahren Möbel herstellt. Bis in die 1920er Jahre gingen die Lehrlinge nach der Ausbildung auf die Walz. Eine der ersten Anlaufstellen war die Schreinerei des Johann Christian Reimann (* 20.01.1882 in Eschelbronn) in Brühl. Er war der Sohn von Johannes Reimann. 1908 wurde in Eschelbronn eine gewerbliche Fortbildungsschule eingerichtet. Daraus entwickelte sich die 1954 eingeweihte Schreinerfach-Gewerbeschule, die sich heute in Sinsheim befindet. 

Ausflug der Schreinerei Wagenblass Zu Beginn waren die Werkstätten im Erdgeschoss der ursprünglichen 
Bauernhäuser untergebracht. Später baute man dann die sogenannten "Schreinerhäuser". Es waren neue Wohnhäuser mit angebauten Werkstätten und genügend Platz für die Maschinen. Ein Beispiel hierfür ist das 1917 errichtete Wohnhaus von Konrad Grab in der damaligen "Kandelgasse" 52. Es wurde auf den Grundmauern eines Leinenweberhauses errichtet und hatte eine integrierte Werkstatt . Die meisten Schreinerhäuser entstanden bis Ende der 1920er Jahre. Noch heute unterscheidet sich Eschelbronn von den benachbarten Orten, da fast sämtliche Fachwerkhäuser des Ortskerns verputzt sind. Dies ist auf den Wandel vom Leinenweber- zum Schreinerdorf zurückzuführen. 1914, vor dem ersten Weltkrieg, wurde die Höchstzahl mit 60 Schreinereien erreicht. An fast jedem Haus hing damals das Schild "mechanische Möbelwerkstätte". Es wurden nicht nur Möbel für die nähere Umgebung hergestellt, sondern man lieferte ins Rheinland, Saargebiet, Elsaß und Lothringen. Die Möbel wurden mit dem Zug transportiert. Ab den 1930er Jahren erfolgte die Auslieferung  per LKW. Zu dieser Zeit waren auch vollständige Schlafzimmereinrichtungen mit Doppelbett, Nachtschränkchen, Kommode und Kleiderschrank sehr beliebt. In den 1950er Jahren gab es durch die Schreinereien rund 450 Arbeitsplätze am Ort. Viele Schreiner kamen aus den Nachbardörfern. Am 14./15. Juli 1979 feierte man "100 Jahre Schreinerdorf Eschelbronn". Jedes Jahr im März findet der Schreinermarkt mit Gewerbeausstellung statt. Heute ist die Einzel- und Maßanfertigung ein wichtiges Standbein für die Schreiner. Die Möbelstücke sind langlebig und zeichnen sich durch hohe Qualität aus. Die Möbelhäuser haben sich auf Kundenberatung und Verkauf von Möbeln spezialisiert und ihr Sortiment erweitert. Das Schreiner-Museum im alten Schulhaus ist zu besonderen Anlässen geöffnet. Die Geschichte des Schreinerhandwerks wird hier durch alte Maschinen und weitere Exponate näher gebracht.

Schränkchen des Georg ButschbacherEin besonderes Ausstellungsstück ist ein
über 116 Jahre altes Nachttischschränkchen von der Schreinerei Butschbacher. Es ist ein Beispiel für die Qualitätsarbeit aus dem Schreinerdorf. Im Jahre 1891 fertigte Georg Butschbacher (1871-1951) das Schränkchen und vermerkte auf der Rückseite seinen Namen, das Jahr und den Herstellungsort. Georg stammte aus einer Schreinerfamilie. Schon sein Vater war Schreiner und 5 seiner 6 Brüder erlernten dieses Handwerk. Er hatte das Schränkchen für seinen Onkel den Löwenwirt Georg Adam Butschbacher hergestellt, der es für seine Fremdenzimmer benötigte. Die Betreiber der Gastwirtschaft wechselten und das Nachtschränkchen kam auf den Speicher. 1990 wurde ein Sammler von Altertümern aus Eppelheim auf das Möbelstück aufmerksam. Dieser nahm es mit und verkaufte es an einen Mannheimer Antiquitätenhändler. 15 Jahre stand es im Lager. 2006 erwarb ein Antik-Freund aus Erlenbach das Schmuckstück. Er gab das Schränkchen seinem Bruder, da dieser in seiner Freizeit alte Möbel restauriert. Dabei fand er auch die Beschriftung von Georg Butschbacher und entdeckte bei seinen Recherchen meine Webseite. Ich konnte feststellen, dass das Schränkchen aus der Werkstatt der Schreinerdynastie Butschbacher stammt und sandte ihm weitere Unterlagen über das Eschelbronner Schreinerhandwerk zu. Wilfried Wolf konnte dann die letzten Lücken schließen. Er setzte sich auch dafür ein, dass das Nachttischränkchen wieder an seinen Herstellungsort zurück kam. Am Kerwesonntag, 09. September 2007, folgte die feierliche Übergabe des fachmännisch restaurierten Schränkchens an das Museum. Nach dem Sektempfang hielt Wilfried Wolf einen kurzen Vortrag über den Werdegang des Möbelstücks. Danach folgte die Enthüllung. Die Restaurierung wurde von Jürgen Gorzitza durchgeführt, die Kosten übernahmen die Nachfahren von Georg Butschbacher. Es ist bemerkenswert, dass durch
"Eschelbronn-Online" ein altes Nachttischränkchen wieder nach Eschelbronn zurück kam.

Das Schreiner- und Heimatmuseum Eschelbronn ist ein besonderes Aushängestück des Dorfes. Für das Museumskonzept erhielt der Heimat- und Verkehrsverein im Mai 2011 eine Auszeichnung durch den Regierungspräsidenten Dr. Rudolf Kühner.

Den Internetauftritt des Schreiner- und Heimatmuseums finden Sie unter:
http://www.schreinermuseum.de/

© Marius Golgath