Altstadt,Neckar und Schloss im historischen Heidelberg
Altstadt,Neckar und Schloss im historischen Heidelberg, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Zwischen Fluss, Bergen und Geschichte liegt eine der bekanntesten Städte Deutschlands. Barocke Bauten, eine nahezu unversehrte Altstadt und eine jahrhundertealte Universität prägen das Bild. Heidelberg zählt mit 162.273 Einwohnern zum 31. Dezember 2023 zu den fünf größten Städten Baden-Württembergs. Die Stadt verbindet wissenschaftliche Bedeutung mit touristischer Anziehungskraft. Jährlich kommen rund 12 Millionen Gäste, viele davon wegen historischer Orte, die auch im Rahmen von kostenlosen Angeboten in Heidelberg zugänglich sind.

Inhaltsverzeichnis

Heidelberg lage und Rhein-Neckar-Gebiet

Die Stadt liegt am linken Ufer des unteren Neckars. Sie befindet sich in einer Talsohle am Übergang der Oberrheinischen Tiefebene zum Odenwald. Südlich begrenzen Königstuhl mit 568 Metern und Gaisberg mit 375 Metern das Stadtgebiet. Gegenüber der Altstadt erheben sich der Heiligenberg mit 445 Metern sowie der Stadtteil Neuenheim. Dort liegt das Neuenheimer Feld mit zahlreichen Instituten.

Heidelberg ist kreisfrei und Verwaltungssitz des Rhein-Neckar-Kreises. Zusammen mit Mannheim und Ludwigshafen gehört die Stadt zur Metropolregion Rhein-Neckar. Diese Struktur beeinflusst Verkehr, Wirtschaft und Forschung. Die zentrale Lage begünstigte schon früh Handel und Wissenschaft.

  • Fläche 108,8 km²
  • Einwohnerzahl 162.273
  • Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner
  • Fünftgrößte Stadt Baden-Württembergs

Heidelberg frühe Geschichte

Die Geschichte reicht weit zurück. Bereits vor rund 600.000 Jahren hielten sich Menschen im Raum Heidelberg auf. Der Nachweis erfolgte 1907 durch den Unterkieferfund in Mauer. Der Fund erhielt den Namen Homo heidelbergensis und gilt als einer der ältesten bekannten Menschen Europas.

Um 500 vor Christus errichteten Kelten eine befestigte Siedlung auf dem Heiligenberg. Doppelter Ringwall und Siedlungsreste sind bis heute sichtbar. Ab etwa 70 nach Christus errichteten Römer ein Militärlager im heutigen Neuenheim. Eine hölzerne Brücke über den Neckar entstand früh. Um 200 wurde sie durch eine steinerne Brücke ersetzt. Auf dem Heiligenberg entstand ein Merkurtempel.

Kurzes Video mit Blick auf Altstadt,Neckar und Schloss Heidelberg:

Film: YouTube / Kanal Phototravellers.de

Heidelberg im Mittelalter

Im frühen Mittelalter wurde das Michaelskloster auf den Fundamenten des Merkurtempels errichtet. Es stand unter dem Einfluss des Klosters Lorsch. 1196 wurde Heidelberg erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlung bestand aus einer Burganlage auf der Molkenkur und einem Burgweiler im Bereich der Peterskirche.

Mehrere heutige Stadtteile wie Neuenheim und Handschuhsheim wurden bereits 765 im Lorscher Codex genannt. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Heidelberg zur Residenzstadt. Eine Stadtmauer, der Marktplatz und eine Neckarbrücke prägten das Stadtbild.

Kurpfalz und Schloss Heidelberg

Anfang des 13. Jahrhunderts entstand der Vorgängerbau des Schlosses auf dem Jettenbühl. 1225 wird eine Burg über Heidelberg erstmals urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert setzte sich die Stadt gegen Neustadt an der Haardt durch und wurde Hauptstadt der Kurpfalz.

1386 gründete Kurfürst Ruprecht I. die Universität Ruperto Carola. Gleichzeitig verdoppelte sich das Stadtgebiet. Unter Ruprecht III. entstand die Heiliggeistkirche als kurfürstliche Grablege. Das Schloss wurde stetig erweitert und von einer Burg zur Residenz umgestaltet.

Reformation und Neuzeit

1518 hielt Martin Luther die Heidelberger Disputation. Sie beeinflusste die Reformation im Südwesten nachhaltig. Im 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche Renaissancebauten. Fast alle wurden zerstört. Das Haus zum Ritter blieb erhalten.

1613 heirateten Kurfürst Friedrich V. und Elisabeth Stuart. 1616 entstand der Hortus Palatinus. Der Pfälzische Garten galt als einer der berühmtesten Gärten Europas. Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Stadt stark. 1622 wurde Heidelberg von Truppen der katholischen Liga unter General Tilly erobert.

Zerstörung und Machtverlust

In den Pfälzischen Erbfolgekriegen wurde Heidelberg 1688 und 1693 verwüstet. Französische Truppen zerstörten große Teile der Stadt und das Schloss. 1720 verlegte Kurfürst Carl Philipp die Residenz nach Mannheim. Heidelberg verlor politische und wirtschaftliche Bedeutung.

Ein Blitzschlag 1764 beendete die Instandsetzungsarbeiten am Schloss. 1784 zerstörte Eisgang die letzte Holzbrücke. Zwischen 1786 und 1788 entstand die steinerne Carl-Theodor-Brücke, bekannt als Alte Brücke, die heute ausführlich in einem Beitrag über die Alte Brücke von Heidelberg beschrieben wird.

Romantik und Wissenschaft

1803 fiel Heidelberg an das Großherzogtum Baden. Großherzog Karl Friedrich machte die Universität zur staatlichen Hochschule. Sie erhielt den Namen Ruprechts-Karls-Universität. Die Stadt wurde Zentrum der Romantik. Dichter wie Friedrich Hölderlin, Joseph von Eichendorff und Clemens Brentano wirkten hier.

Ab 1840 förderte der Eisenbahnanschluss Tourismus und Bevölkerungswachstum. 1871 lebten 20.000 Menschen in Heidelberg. 1933 waren es bereits 85.000. Straßenbahn, Bergbahn und die Kanalisierung des Neckars folgten.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Die Wahlergebnisse der NSDAP lagen in Heidelberg über dem Reichsdurchschnitt. 1939 verlor die Universität ein Drittel ihres Lehrkörpers. Während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden Synagogen zerstört. 150 jüdische Bürger wurden nach Dachau deportiert.

Heidelberg überstand den Krieg weitgehend unzerstört. Nur 13 von über 9.000 Wohngebäuden wurden vollständig zerstört. 241 Menschen kamen ums Leben. Am 29. März 1945 wurde die Alte Brücke gesprengt. Am 30. März marschierten US-Truppen ein.

Nachkriegszeit und Stadtumbau

Heidelberg wurde Teil der amerikanischen Besatzungszone. Die Universität nahm 1946 den Betrieb wieder auf. Ab 1951 entstand der Campus Neuenheimer Feld mit 120 Hektar. 1955 wurde der Hauptbahnhof verlegt. Neue Stadtteile wie Boxberg und Emmertsgrund entstanden.

Unter Bürgermeister Reinhold Zundel wurde die Altstadt saniert. Die Hauptstraße wurde mit 1,6 Kilometern zur größten Fußgängerzone Europas. Auch heutige Verkehrs- und Mobilitätskonzepte werden regelmäßig angepasst, mehr hier.

RAF und Konversion

1972 verübte die RAF einen Anschlag auf das US-Hauptquartier in den Campbell Barracks. Drei Soldaten starben. 1981 folgte ein Attentat auf General Frederick James Kroesen am Karlstor. Er überlebte verletzt.

1997 wurde der Güterbahnhof stillgelegt. Daraus entstand die Bahnstadt. Sie gilt als eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands und als weltweit größte Passivhaussiedlung. 2012 zogen die ersten Bewohner ein.

Heidelberg heute

2013 verließ die US-Armee nach 70 Jahren die Stadt. Über 200 Hektar Konversionsflächen wurden entwickelt. 2014 wurde Heidelberg UNESCO City of Literature. Bis 2050 will die Stadt ihre CO₂-Emissionen um 95 Prozent senken. Die Verbindung aus Geschichte, Wissenschaft und moderner Stadtentwicklung prägt Heidelberg bis heute und zeigt sich auch bei aktuellen Planungen für die Zukunft der Stadt, siehe hier.

FAQ

Wo liegt Heidelberg geografisch?

Heidelberg liegt im Südwesten Deutschlands am linken Ufer des unteren Neckars, am Übergang der Oberrheinischen Tiefebene zum Odenwald, und gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar.

Wie viele Einwohner hat Heidelberg?

Heidelberg hat zum Stand 31. Dezember 2023 genau 162.273 Einwohner und ist damit die fünftgrößte Stadt in Baden-Württemberg.

Warum ist Heidelberg als Universitätsstadt bekannt?

Die Stadt ist Sitz der Ruprechts-Karls-Universität, die 1386 gegründet wurde und als älteste Universität Deutschlands gilt.

Welche Bedeutung hat das Schloss Heidelberg?

Das Schloss Heidelberg entstand ab dem frühen 13. Jahrhundert, war Residenz der Kurpfalz und zählt heute zu den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Warum wurde Heidelberg im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört?

Heidelberg erlitt nur geringe Schäden durch Luftangriffe, da lediglich 13 von über 9.000 Wohngebäuden vollständig zerstört wurden und der Wohnraumverlust bei 0,8 Prozent lag.

Was ist die Alte Brücke in Heidelberg?

Die Alte Brücke wurde zwischen 1786 und 1788 unter Kurfürst Carl Theodor errichtet und verbindet die Altstadt mit dem Stadtteil Neuenheim.

Was versteht man unter der Heidelberger Romantik?

Die Heidelberger Romantik bezeichnet eine literarische Epoche des frühen 19. Jahrhunderts, die durch Dichter wie Friedrich Hölderlin, Joseph von Eichendorff und Clemens Brentano geprägt wurde.

Was ist die Bahnstadt in Heidelberg?

Die Bahnstadt ist ein neuer Stadtteil, der ab 2009 auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs entstand und als weltweit größte Passivhaussiedlung gilt.

Welche Rolle spielte Heidelberg nach 1945?

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heidelberg Teil der amerikanischen Besatzungszone und entwickelte sich zu einem wichtigen Militär- und späteren NATO-Standort.

Welche Klimaziele verfolgt Heidelberg?

Die Stadt strebt an, ihre CO₂-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent zu reduzieren und den Energiebedarf deutlich zu senken.

Quelle: HEIDELBERG24, SN2 WORLD