Sommerliche Belastung des Neckars durch Kläranlagen
Sommerliche Belastung des Neckars durch Kläranlagen, Foto: Pixabay

Neue Daten zeigen alarmierende Belastungen des Neckars in Heidelberg. In niederschlagsarmen Monaten besteht der Fluss fast zur Hälfte aus behandeltem Abwasser.

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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg meldet Zahlen

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg veröffentlichte Berechnungen, die den Zustand des Neckars betreffen. Im Sommer besteht der Abfluss am Pegel Heidelberg-Ziegelhausen zu rund 50 Prozent aus Abwasser. Der natürliche Zufluss geht in dieser Zeit stark zurück. Gleichzeitig steigt die Menge der Einleitungen aus kommunalen Klärwerken deutlich an.

Von Mai bis Oktober fließen im Neckar durchschnittlich 57,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Davon stammen etwa 27 Kubikmeter aus Kläranlagen. Im Jahresmittel liegt der Abwasseranteil noch bei einem Drittel.

Abwasser aus kommunalen Anlagen in Heidelberg und Region

Die Berechnungen beziehen alle Klärwerke im Einzugsgebiet des Neckars und seiner Nebenflüsse ein. In diesem Gebiet lebt ungefähr die Hälfte der Bevölkerung Baden-Württembergs. Dort wird Abwasser aus privaten Haushalten, Gewerbe, Regen und Fremdwasser behandelt.

  • Ursprünglich handelt es sich überwiegend um Trinkwasser aus öffentlicher Versorgung
  • Kläranlagen reduzieren organische Stoffe und Pflanzennährstoffe deutlich
  • Eine mikrobiologische Restbelastung bleibt weiterhin bestehen

Für die Bevölkerung bedeutet das, dass ein erheblicher Teil des Flusswassers technisch aufbereitetes Abwasser ist.

Unterschiede zwischen Sommer und Winter

Die Daten beziehen sich auf Messungen von 2004 bis 2021. Sie zeigen deutliche Unterschiede je nach Jahreszeit. Im Winter wurden am gleichen Pegel 97,1 Kubikmeter Wasser pro Sekunde registriert. Damit sinkt der Anteil des Abwassers erheblich.

Im gesamten Neckar-Einzugsgebiet wurden im Jahresdurchschnitt fast 850 Millionen Kubikmeter Abwasser gemessen. Der Fluss erfüllt somit eine Doppelfunktion: Er ist Wasserlieferant und zugleich Abfluss für die Region.

Warnung vor Baden im Neckar

Bereits 2022 wies das Gesundheitsamt auf Risiken beim Baden im Neckar hin. In den Sommermonaten steigt die Belastung für die Menschen, die im Fluss schwimmen oder am Ufer unterwegs sind. Der Hinweis gilt vor allem für Badeseen in Baden-Württemberg, deren Wasserqualität ebenfalls als unzureichend eingestuft wird.

Wer im Sommer in Heidelberg am Neckar unterwegs ist, befindet sich in einem Fluss, dessen Wasser rechnerisch zur Hälfte aus Abwasser besteht.

Quelle: HEIDELBERG24